Akt trifft Tier - Unsere Version

Akt trifft Tier - Unsere Version

Trotz anspruchsvoller Vorbereitung aufs Staatsexamen wurde viel Herzblut investiert und kein Aufwand gescheut um ein (N)Akt-Kalender Projekt umzusetzen: Der diesjährige Abschlussjahrgang der Tiermediziner an der LMU hat einen solchen Aktkalender herausgebracht um damit seinen Abschlussball zu unterstützen und Spenden für Tierschutzorganisationen in Australien zu sammeln.

Im Oktober vergangenen Jahres entstand die Idee woraufhin der Tiermedizin Student Max Wieth unermüdlich mit seinen Kommilitonen Jule Ruß, Georg Düringer und Vera Sommerer an der Umsetzung gearbeitet hat. In einer Rekordzeit von lediglich sechs Wochen wurden ein Frauen- und ein Männerkalender von Grund auf entworfen, gestaltet und produziert.

Insgesamt 37 Studierende wurden für die „Veti-Kalender“ zu mutigen Models – und mussten bei den Shootings auch mal bissigen Waschbären sowie spuckenden Alpakas trotzen.

Nach dem Feuerwehrkalender und dem Karpfenkalender gibt es jetzt auch den Tiermedizinerkalender. Warum sollte man euren Aktkalender kaufen?

"Na ja, von dem Karpfenkalender grenzen wir uns schon mal deutlich ab weil wir mehr als eine Tierart abgelichtet haben“, sagt Max Wieth scherzend.

Max Wieth: Wir haben insofern "Glück“, dass wir unseren Kalender nicht aktiv verkaufen müssen. Die hohe Qualität überzeugt auch anfängliche Kritiker. Heutzutage braucht kaum noch jemand wirklich einen Wandkalender. Ich persönlich habe alle Termine im Handy. Unser Kalender ist ein Luxusprodukt; etwas das man sich gönnt.

Georg Düringer: Kalender sind wie Kunst: Geschmackssache. Wer sich einen kauft, mag das, was er sieht. Oder, möchte wie in unserem Fall, einen Zweck unterstützen dem der Erlös zu Gute kommt.

Jule Ruß: Wir haben uns bei der Bildgestaltung sehr viel Mühe gegeben und Gedanken gemacht um zu gewährleisten, dass die Fotos Stil und Klasse haben.

Max Wieth: Und dass Sie unseren hohen Ansprüchen entsprechen.

Jule Ruß: Es gibt Leute, die stehen auf den Karpfenkalender, und es gibt Leute, die mögen unseren Stil lieber.

Vera Sommerer: Es hat jeder die freie Wahl was man sich letztendlich an die Wand hängt.

Der Kalender soll auch zu Spenden für Australien beitragen. Was genau habt ihr euch da vorgestellt?

Max Wieth: Es ist uns wichtig festzuhalten, dass sich unser Jahrgang angesichts der Buschbrände in Australien entschieden hat einen Teil der Einnahmen zu spenden. Wir haben die Sache angestoßen und vertreten das Semester in dieser Angelegenheit aber die Entscheidung ist die des Semesters, nicht die von uns.

Georg Düringer: Über die genaue Organisation stimmt das Semester zu diesem Zeitpunkt noch ab.

Ihr habt das Projekt ins Leben gerufen und koordiniert. Aber woher kam überhaupt die Idee, einen Aktkalender zum Abschluss des Studiums zu produzieren?

Georg Düringer: In Australien gibt es die Feuerwehrkalender, in Amerika machen die Tiermediziner das lustigerweise auch und an anderen Tiermedizin Unis ist das Konzept ebenfalls schon bekannt. Das ist keine neue Idee, das gab es nur in München so schon lange nicht mehr. Wir haben diese Idee für München sozusagen wiederbelebt.

Max Wieth: Anfangs dachte ich sogar, dass die Idee eher abgewiesen würde. Als wir dann eine Umfrage im Jahrgang gestartet haben, wurde ich eines Besseren belehrt.

Stichwort Body Positivity – Warum gestalten junge Leute im Jahr 2020 noch so einen Kalender?

Max Wieth: Warum diese Formulierung: noch so einen Kalender? Das Thema Body Consciousness & Image ist doch gerade heutzutage äußerst relevant.

Jule Ruß: Wir haben im Kalender alle Größen und Formen. Alles ist schön. Jeder kann sich zeigen und jeder der wollte, durfte auch mitmachen.

Max Wieth: Nur Liebe! Diskriminierung jeglicher Art tolerieren wir sowieso nicht.

Georg Düringer: Wir mussten auch nicht wirklich nach Models suchen, wir hatten am Ende sogar zwölf Bewerbungen mehr als Plätze.

Max Wieth: Es durfte jeder mitmachen der oder die wollte. Wir haben da nichts großartig über- oder reininterpretiert. Wenn wir gezielt nach Minderheiten suchen und die dadurch ungewollt wiederum aussondern würden ist das unserer Meinung nach das Gegenteil von Akzeptanz.

Georg Düringer: Wünsche haben wir versucht so gut wie möglich umzusetzen: Wer auf welchen Gruppenfotos war, wer von welcher Seite abgelichtet werden wollte. Bei der Nachbearbeitung sind wir so gut wir konnten auf konkrete Verbesserungswünsche eingegangen.  

Jule Ruß: Wir haben uns sogar die Arbeit gemacht uns mit den Models nach den Fotoshootings zu treffen um die Vorauswahl der Bilder zu besprechen.

Max Wieth: Wir wollten, dass wirklich jeder mit dem zufrieden war, was letztendlich im Kalender abgebildet wurde. Das war uns sehr wichtig.

Georg Düringer: Das Projekt sollte in erster Linie für die Beteiligten schon in der Umsetzung Spaß machen.

Vera Sommerer: Man kann viel schönere Bilder machen wenn alle Spaß bei der Sache haben.

Max Wieth: Und es soll eine schöne Erinnerung sein für alle, die mitgemacht haben. Meistens waren die Tiere sowieso mehr Arbeit als die Models.

Aber steht so ein Aktkalender nicht für überholte Geschlechterklischees?

Max Wieth: Wer sich die Kalender anschaut wird sehen, dass wir keinerlei Geschlechterklischees bedienen oder bestärken. Warum auch? Sowas wäre und auch nie eingefallen!

Jule Ruß: Wir haben auch online Kommentare bekommen, dass der Kalender sexistisch sei. Darüber lässt sich aber wirklich nur schmunzeln.

Georg Düringer: Beide Geschlechter sind vertreten, und kein Geschlecht wird schlechter dargestellt als das andere. Das ist absolut neutral gehalten.

Max Wieth: Insgesamt haben wir sehr viel positive Rückmeldungen erhalten und sind darüber überaus froh und auch erleichtert. Es zeigt  uns, dass sich die Arbeit gelohnt hat und es ist uns nach wie vor wichtig dass alle Beteiligten zufrieden und stolz auf dieses Projekt sein können.

Was war denn schwieriger zu koordinieren während der Shootings? Die Tiere oder die Menschen?

Vera Sommerer: Nur mit Menschen läuft ein Shooting deutlich einfacher.

Die schwierigsten Tiere waren die Alpakas. Sowohl beim Fotografieren als auch in der Nachbearbeitung. Die waren ziemlich grimmig und schauen selten so, wie man es gerne hätte. Das ein oder andere Tier spuckt oder läuft auch mal weg.

Georg Düringer: Deshalb mussten wir danach manche Ausschnitte aus den verschiedenen Bildern kombinieren.

Max Wieth: Definitiv eines der aufwendigsten Bilder aber das Endresultat spricht für sich.

Die Shootings mit so viele verschiedenen Tieren müssen doch recht unterschiedlich Ansprüche haben, sehe ich das richtig?

Max Wieth: Wir sind angehende Tiermediziner. Das geht dann schon. Aber natürlich geht man mit einer Kuh anders um als mit einer Schlange oder einem Leopardgecko. Der war übrigens bissig.

Jule Ruß: Im Schnitt waren alle Tiere recht kooperativ – außer vielleicht die Waschbären und die Leopardgeckos.

Georg Düringer: Schwierig war auch das Wetter. Wir haben im Oktober und November fotografiert, brauchten aber auch Bilder für Juni, Juli und August.

Vera Sommerer: Immerhin bei zwei von 24 Shootings schien die Sonne.

Ihr habt für die Shootings mit verschiedenen Partnern zusammengearbeitet, zum Beispiel mit der Münchner Auffangstation für Reptilien, dem Lehr- und Versuchsgut Oberschleißheim und dem Tierheim in München. Wie haben die denn auf euere Anfragen reagiert?

Jule Ruß: Total positiv! Die Auffangstation für Reptilien zum Beispiel ist auch sehr  erfahren, sie haben dort oft mit Tattoo-Models zu tun. Von den Giftschlangen mal abgesehen konnten wir die Shootings umsetzen die wir uns vorgenommen hatten.

Und welche Location ist euch besonders in Erinnerung geblieben?

Jule Ruß: Wir haben während den Öffnungszeiten in einem Greifvogelpark fotografiert. Das bedurfte einiger zusätzlicher Organisation beziehungsweise Abdeckung vor neugierigen Blicken und zusätzlich war es echt kalt an dem Tag.

"So wie bei eigentlich jedem Shooting.“, sagt Max lachend.

Vera Sommerer: Einige der Besucher fanden unser Vorhaben natürlich hoch interessant und schienen sich zu denken, wenn sich junge Leute ausziehen, müssen sie hinschauen. Max hat unser Shooting mit einer riesigen Bettdecke von neugierigen Blicken abgeschirmt.

Jule Ruß: Das Bild von mir und Uhu "Siggi“ ist auch dort gemacht worden. Ich stand auf einer kleinen Brücke mit einem wunderschönen roten Ahornbaum im Hintergrund.

Max Wieth: Und mir sind die Schulter verkrampft aber dafür war mir warm.

 

Hängt denn bei euch zuhause normalerweise ein Kalender an der Wand?

Max Wieth: Bei mir nur für die Prüfungsphasen - und jetzt natürlich unsere eigenen. Das ist ja klar.

Jule Ruß: Doch, doch bei mir hängt immer einer an der Wand.

Georg Düringer: Ich bin da auch so und hatte vorher auch Kalender aber zu unseren haben wir natürlich nochmal einen besonderen Bezug.